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Geschichte

Bürgerhaus Finthen

4500 v.Chr.

In der Jungsteinzeit siedeln sich die ersten Menschen in der Finther Gemarkung im Aubachtal an. Ihr Hauptwerkstoff ist Stein, aus dem Werkzeuge und Waffen hergestellt werden. Es finden sich Reste der Michelsberger, Hinkelsteiner und Rössner Kulturen. Zahlreiche Funde belegen eine lange Besiedlungsperiode. Ein permanentes Dorf kann jedoch nicht nachgewiesen werden. Die folgende Abbildung zeigt ein Dorf der Rössner-Kultur wie es in einem anderen Ort zeichnerisch rekonstruiert wurde. So könnte die Siedlung im Aubachtal ausgesehen haben.


1750 - 750 v.Chr.

Aus der Bronzezeit gibt es nur einen Fund in der Gewann "Rod", bzw. "Steckrod". Er stammt aus der Urnenfelderzeit (ca.1300-750 v. Chr). Die Bronze hat den Stein als Hauptwerkstoff abgelöst. Sicheln und Messer aus dem neuen Material sind wesentlich schärfer.


40 v. - 450 n.Chr

Für circa 500 Jahre sind die "Römer" die Herren im Land. Bereits unter Caesar gehörte die Finther Gemarkung zum römischen Staat, aber erst unter Kaiser Augustus begann die Befestigung der Rheingrenze. Es entstanden Legionslager, darunter auch "Mogonticum". Aus diesem Lager entwickelte sich das heutige Mainz.

Im Umland entstanden "villae rusticae", vergleichbar mit heutigen Aussiedlerhöfen. Sie sicherten die Versorgung der Legionen mit Frischware. Im Finther Gebiet gäbe es im Aubachtal, in der Gewann Steinäcker und im heutigen Ortsbereich mehrere solcher Gehöfte.

Noch heute ist die Trasse der römischen Strasse am schnurgeraden Verlauf, insbesondere zwischen Finthen und Wackernheim erkennbar, die ebenfalls in der Zeit des Augustus angelegt wurde.

Am Rande dieser Strasse lag in etwa zwischen Katzenberg und Prunkgasse ein römischer Tempel der vom ersten Jahrhundert bis zur Mitte des dritten Jahrhunderts bestand und wahrscheinlich während der ersten Alemanneneinfälle zerstört wurde. Er war Merkur und Rosmertha geweiht. Weihealtäre und der Bronzekopf der Rosmertha sind im Landesmuseum zu sehen.

Das wohl bedeuternste Überbleibsel aus römischer Zeit ist der Name "Finthen" selbst. Es gibt unterschiedliche Auffassungen zur Herkunft. Die wohl bekannteste Theorie besagt, dass sich der Name vom dem römischen "vicus ad fontes", was soviel heißt wie: "Dorf bei den Quellen", ableitet. Ein geschlossenes Dorf gab es zur römischen Zeit allerdings nicht. Die zweite und eher wahrscheinlichere Theorie besagt, dass sich der Name von dem vulgärlateinischen Begriff "fontanetum", was soviel wie "Bei der Wasserleitung" ableitet. Das deutet auf den Ursprung eines Seitenarmes der römischen Wasserleitung vom Königsborn nach Mainz hin. Die Reste dieser Leitung finden wir in den Römersteinen in Zahlbach.


450 - 1092

Mitte des fünften Jahrhunderts wandern die Merowinger, ein fränkischer Stamm, benannt nach ihrem Herrschergeschlecht, in die ehemals römischen Gebiete ein, die römische Herrschaft endet nach und nach, ebenso gehen die Errungenschaften ihrer Kultur verloren. Die römischen Villen verfallen und werden nur in seltenen Fällen weiter genutzt.

So könnte es auch bei der Villa im Bereich der heutigen Mühltalstrasse gewesen sein, denn in unmittelbarer Nachbarschaft lässt sich ein merowingisches Gräberfeld mit bedeutenden Funden nachweisen. Der direkte Beweis fehlt allerdings.

Wann der fränkische Ortskern um die heutige Kirche St. Martin entstanden ist, liegt im dunkeln. Kunsthistoriker glauben karolingische Elemente im unteren Teil des Kirchturmes zu erkennen, das würde etwa 750 / 800 n. Chr. bedeuten. Im Frühmittelalter gibt es keine schriftlichen Quellen über Finthen, Urkunden aus der Zeit vor 1092 erwiesen sich als Fälschungen.


1092

Erst relativ spät taucht Finthen in den Urkunden auf. In einer Schenkungsurkunde des Jahres 1092 wird er erstmals als "fundene" erwähnt. Mit anderen Besitzungen wurde Finthen von dem Mainzer Erzbischof Ruthard an den Dompropst übertragen, der von da an bis zur französischen Besetzung im Jahre 1797 die Ortsherrschaft ausübte.

Die erste Erwähnung FinthenĀ“s fällt damit in saliche Zeit. Die nächste Abbildung zeigt die Schenkungsurkunde, in der viertletzten Zeile steht in etwa in de Mitte der Name "Fundene".


1092-1635

Finthen entwickelt sich kontinuierlich, wie den Urkunden und wenigen anderen schriftlichen Quellen zu entnehmen ist. Im Mittelalter besteht das Straßennetz aus der Poststrasse, der Borngasse, der Kirchgasse und der Prunkgasse. Von den Seitenstrassen ist allerdings nur der Anfang bebaut.


1648 bis heute

Nach dem dreißigjährigen Krieg fand ein völliger Neuanfang statt, erneut entwickelte sich Finthen wieder kontinuierlich. Allerdings bleibt der Ort von kriegerischen Einflüssen der unterschiedlichsten Art nicht verschont, zuletzt im zweiten Weltkrieg.

In der Neuzeit stehen nun genügend schriftliche Quellen zur Verfügung und damit eine Fülle an geschichtlichem Material, das den Rahmen dieser Homepage sprengen würde. Im folgenden seien deshalb nur einige weitere markante Punkte der Ortsgeschichte chronologisch aufgelistet.


1797

Finthen wird Teil des französischen Staates. Kurmainz existiert de facto nicht mehr.


1816

Nachdem 1815 die letzte Schlacht Napoleons entgültig verloren war und die Grenzen Europas neu gezogen wurde, wurde Finthen und ehemalige Teile des Kurmainzer und des Kurpfälzischen Staates dem neu entstandenen Großherzogtum Hessen einverleibt. Die hessische Provinz am Rhein erhielt den heute noch gebräuchlichen Namen "Rheinhessen".


1898

Finthen dehnt sich in die Gemarkung aus, neue Strassen entstehen, unter anderem die Mittelgasse (Bierothstrasse), die Turnerstrasse (Am Obstmarkt), und die Neugasse (Henri Dunant Strasse).


1949

Nach dem zweiten Weltkrieg wechselt die Zugehörigkeit FinthenĀ“s erneut, es wird dem neu gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz eingegliedert.


1969

Finthen wird zwangseingemeindet und heißt ab sofort Mainz-Finthen. In der Folge entstehen zahlreiche Neubaugebiete auf dem Katzenberg und auf der Römerquelle.


1980

Der Papst besucht Finthen und hält auf dem Finther Airfield eine Messe.


90er Jahre

Die Amerikaner ziehen Ihre Truppen ab, das Airfield und die Housingareas werden zivil. In Nachbarschaft zum Airfield soll der Stadtteil Layenhof entstehen, bisher ist es bei Plänen geblieben. Im Finther Westen wird ein Naturschutzgebiet ausgewiesen. Durch Abriss und Umbau alter Bausubstanz verändert der Ort kontinuierlich sein Bild. Bekannteste Beispiele sind das ehemalige Gasthaus "Zur Krone" (Abriss) und die Markthalle (Umbau).




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